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10.04.2018

"Flaschenpost aus dem KZ Ravensbrück"

Wanderausstellung vom 10. April bis zum 30. Mai 2018 im Lichthof des Rathauses Ludwigslust

Die als Wanderausstellung "Flaschenpost im KZ" des Projektes zeitlupe | Stadt.Geschichte & Erinnerung konzipierte Ausstellung  wurde am 10. April 2018 um 17 Uhr im Lichthof des Rathauses in Ludwigslust eröffnet.
Auf neun Roll-Ups wird die Geschichte polnischer Frauen und Mädchen, die im Konzentrationslager Ravensbrück inhaftiert waren, erzählt. Die Ausstellung gibt einen eindrucksvollen Einblick in ihr Leben und ihren Widerstand im KZ und erzählt anhand von Briefen, Zeichnungen und Dokumenten ihre Geschichte.
Das Material war 1975 bei einem spektakulären Fund an der Bahnstrecke zwischen Neubrandenburg und Burg Stargard entdeckt worden, nach Hinweisen eines Überlebenden. Der ausgegrabene Glasbehälter beinhaltete Dokumente, Gedichte und Zeichnungen von im KZ Ravensbrück inhaftierten polnischen Mädchen und Frauen aus den Jahren 1942 und 1943. Darin beschreiben sie die Verbrechen im Lager – darunter Folter, Erschießungen und medizinische Experimente. Durch verbündete polnische Männer, Ärzte und Fähnriche, die von den Nationalsozialisten in einem Kriegsgefangenenlager in Neubrandenburg-Fünfeichen festgehalten wurden, konnten die Schriftstücke geschmuggelt und vergraben werden. „Das Credo der Frauen war, für die eigene Würde und die Menschenrechte zu kämpfen“, erklärte Constanze Jaiser.
Bereits 2012 hatten Constanze Jaiser und Jacob David Pampuch eine Projektmappe für einen fächerübergreifenden Unterricht erarbeitet und waren dafür mit dem Literaturpreis der Annalise –Wagner-Stiftung geehrt worden. In dem Unterrichtsmaterial wird auch die besondere Rolle von Poesie und Kunst während der Gefangenschaft beleuchtet. Zu den Zeitzeugen, die zu Wort kommen, gehört auch Peter Havaš aus der Slowakei, der am 23. April 1945 aus dem KZ Ravensbrück in das KZ Wöbbelin deportiert wurde. Er war neun Jahre alt, als er am 2. Mai 1945 von der 82. US-Luftlande-Division in Wöbbelin/Ludwigslust befreit wurde.

Die Ausstellung wird durch den Bürgermeister der Stadt Ludwigslust, Reinhard Mach, in Anwesenheit von Dr. Constanze Jaiser eröffnet. Sie ist vom 10. April bis zum 30. Mai 2018 im Lichthof des Rathauses Ludwigslust, Schlosstr. 38, während der Öffnungszeiten der Verwaltung zu sehen.

In Kooperation mit den Mahn- und Gedenkstätten Wöbbelin werden dazu parallel in den Fluren ein Modell und Plakate zum Kunstprojekt „ Die Gesichter des KZ Wöbbelin“ gezeigt.

 

Aus der Beurteilung der Annalise –Wagner –Stiftung anlässlich der Preisverleihung für die Projektmappe „Ein Schmuggelfund aus dem KZ“ 2012

„Die Autoren [Constanze Jaiser; Jacob David Pampuch] eröffnen damit ausgehend von einem konkreten, außergewöhnlichen Zeugnis regionaler Geschichte den weiten Horizont einer Werte-Debatte in ideenreichen, sinnlich fassbaren Angeboten: Junge Leute werden ermuntert, sprachliche, mediale, emotionale, künstlerische Zugänge zum Thema zu erkunden. Die 'Bausteine', die Lehrern als Unterrichtsmaterial an die Hand gegeben werden, zielen unter anderem auf die Umsetzung in Gesprächen, Ausstellungen, Filmen oder Radioprojekten. Anonyme Geschichte bekommt hier Namen und Gesichter – nicht aus einer lange zurück scheinenden Zeit, sondern fast im Alter der Adressaten von heute. Diese erfahren von Leid von Tod, von Hoffnung und Sehnsucht, Stolz und Glauben. […] Dem Anliegen von Annalise Wagner wird diese Arbeit, die gleichermaßen in der Region wurzelt wie auch den Blick weitet für allgemeinmenschliche Werte, in einer höchst zeitgemäßen Umsetzung gerecht."